(Helmut Ploebst, DER STANDARD, 25.11.2013) Performance WHITE FOR / Tanzquartier Wien im Rahmen der Vienna Art Week 2013

(Helmut Ploebst, DER STANDARD, 12.11.2012) Performance Grünwachs Ein / Tanzquartier Wien 2012

(Helmut Ploebst, CORPUS, 10.3.2011) Performance greenspangrünspan / brut imagetanz, 2011

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Helmut Ploebst_Schritte in die Zerissenheit

Helmut Ploebst_Standard 2014

Schritte in die Zerissenheit

Die Galerie "Lisabird Contemporary" zeigt eine Personale des Bildhauers Karl Karner. Der ist auch als Performance-Künstler umtriebig

Wien - Wer sich heute den Ausstellungstitel Formatierung einer neuen Ära für die Präsentation seiner Arbeiten aussucht, hat einen Sinn fürs Makabre. Wie der österreichische Bildhauer Karl Karner. Seine so bezeichnete Soloschau ist derzeit in der Wiener Galerie Lisabird Contemporary zu sehen. An dem 1973 im steirischen Feldbach geborenen Karl Karner, ist noch etwas außergewöhnlich: Zusammen mit der Choreografin Linda Samaraweerová zeigt er seit dem Jahr 2005 komplexe Performancearbeiten, die auch im Feld des zeitgenössischen Tanzes erfolgreich sind.
Zu sehen waren diese düster-ironischen Arbeiten bisher unter anderem beim Festival Impulstanz, im Tanzquartier Wien und im Wiener Brut Theater. Als "choreografisch" gearbeitet beschreibt Karner auch seine aktuellen Skulpturen, die der "Formatierung" bei Lisabird Contemporary Form und Dynamik geben. Es sind überwiegend wild wuchernde Gebilde aus Bronze, die in den Raum übergreifen wie paranoide Fantasien. Das Material vermittelt den Eindruck feiner, in ihrer Explosion
erstarrter Lavagebilde, die dramatische Ein- und Durchblicke erlauben. Aus der Nähe werden allerdings Formen sichtbar, die mit der Natur nichts mehr zu tun haben: Ketten aus Kugeln, Kerzenhüllen, Nägel und Stangen.
Die "neue Ära" wird mit feinem Witz als Dystopie "formatiert", und Karners zerrissene Gebilde erscheinen wie deren vorweggenommene Relikte. Sie können übrigens auch zum Klingen gebracht werden, wie bei der Eröffnungsperformance
(mit Royl Culbertson) zu erfahren war. Dafür mischten Karner/Samaraweerová Zitate aus ihrem Auftritt in "White For" (2013, Tanzquartier) mit neuen Szenen. Da sitzt der Künstler etwa auf einem Bankerl, schaut durch eine Art Filmrolle und verzerrt sein Gesicht zu einer Entsetzensfratze. Sagt Samarawerová: "Aber ich will keinen Schritt wagen, der mich nicht zerreißt."
(Helmut Ploebst, DER STANDARD, 21.10.2014)

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DER STANDARD / Helmut Ploebst (12.11.2012)
DEMONSTRATION MIT BEFREIUNGSMUMIE

...Das Ritual ist nicht archaisch, sondern eine Zusammenführung von Symbolen und Aktionen in den abseitigen Räumen der Gegenwart. Dabei stehen Golfschläger und -bälle für die Leere des Luxus. Die Masken dagegen, sie werden auch von Teilnehmern aus dem Publikum getragen, erinnern an die Monstrosität der Spekulations- "Generation Golf". grünwachs ein überzeugt als Wurf, der die Missstimmung unserer Zeit auf den Punkt bringt.
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CSERNI live / architektur / raum / kunst / Florian Steininger (01/ 2012)
INFORMEL MEETS NATURE KARL AKRNERS AKTUELLE SKULPTUREN

...Trotz festem Zustand scheint alles in Bewegung, in permanenter Mutation. Eine Ursuppe von Leben und Vergehen. Bei Nahsicht verwandelt sich die Oberfläche in eine monströse Karstlandschaft, in die wir uns verkriechen. Andere Stellen werden weich wie Haut oder falten sich wie Gewänder, dann wieder gebrochen durch das Spitze von Weinstockreben, Nägeln oder Geweihresten. Ein ständiges Wechselspiel von Bedeutungs- bzw. Gegenstandsträger und autonomer Materialqualität der Skulptur tritt in Kraft.
.... Karner ist nicht an ein ausschließliches Entweder-oder gebunden, sondern er sampelt mit der Skulptur. Trotzdem bleibt die Gesamterscheinung durch die samtig schwarze Haut einheitlich, ganz im Unterschied etwa zu den Objekten aus zahlreich Gefundenem in der Kunst des Dadaismus oder Nouveau Réalisme, die sich in anarchischer Weise von akademisch oder bereits etablierten Kunstrichtungen distanzieren. Die Verbindung von Kunst und Leben ist bei Karner nicht nur in der materiellen Erscheinungsform seiner Skulpturen erkennbar, sondern er erweitert seinen Kunstbegriff durch das Installative und Performative; so platziert er seine dreidimensionalen Arbeiten auf der Bühne, als Teil der Choreografie, die er mit seiner Künstlerkollegin Linda Samaraweerova inszeniert bzw. aktiv daran teilnimmt. Die Offenheit, die Vernetzung und komplexe Vielschichtigkeit der aktuellen Plastik steht somit symptomatisch für Karners erweiterten Kunstbegriff.
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ARTFAIR / Cornelia Offergeld (2011)
Karl Karner & Linda Samaraweerová

...Karner/ Samaraweerová bedienen sich eines gleichzeitig narrativen wie ikonischen Surrealismus (was alleine schon ein Paradoxon ist), indem Handlungen und Formen aus einem zeitlich-logischen Ablauf herausgelöst werden, Objekt und Subjekt die gleiche Wertigkeit erhalten. Das Koordinatensystem von Zeit und Raum, die Grundlage unserer Sinnbestimmung, wird nur soweit verändert, das einzelne Handlungsstränge, einzelne Formen oder Objektteile noch zuzuordnen sind. Der Versuch, diese Einzelteile zu in einen linearen Zusammenhang zu bringen, Metaphern in eine eindeutig lesbaren Aussage zu übersetzten oder die Protagonisten einem bestimmten Lager zuzuordnen, führt ins Leere. Daß wir das aber unweigerlich versuchen, weil wir diese Form der Ordnung brauchen, daß eine leichte Veränderung der Wahrnehmungszusammenhänge uns bereits verstört, das ist der Punkt, den Karner/ Samaraweerová in ihren Arbeiten sehr präzise und immer wieder berühren.
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CORPUS / Helmut Ploebst (2011)
DIE KATAKOMBEN VON METROPOLIS    
 
...Karner und Samaraweerova haben mit ihrer installativ-performativen Arbeit eine neue Dimension im Zusammenhang mit einem erweiterten Choreografiebegriff aufgemacht, der sich vom Tanz abkoppelt und migrativ in künstlerische Strategien der bildenden Kunst, des Videos und/oder Films und Theaters fortsetzt, eigentlich also in die ohnehin schon großartig instabile klassische Performance Art injiziert und diese durch einen solchen Prozess noch einmal reorganisiert und so „verformt“.
Abgesehen davon siedelt greeeenspangrünspan noch auf einer anderen, heikleren Ebene, die das Verhandeln des Politischen ganz in den Tiefenstrukturen der Kritik ausspielt, dort, wo das Unaussprechliche als chaotischer Kern alles Organisatorischen sitzt. Wobei mit dem „Unaussprechlichen“ keine Mystifikation im Sinn einer künstlichen Verrätselung gemeint ist, sondern im Gegenteil die offenkundige Verankerung des politisch Perversen in einem dem konventionellen Gesellschaftsdiskurs unzugänglichen Untergrund. Dieser kann nur ausgeleuchtet werden, wenn die symmetrischen Logiken der tradierten Diskursbildung in andere, asymmetrische Logiken überführt werden. Diese Qualität von Kunst wird ja gerade wieder neu entdeckt, wie unter anderem an dem neuen Interesse am Surrealismus abzulesen ist...    
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DER STANDARD / Helmut Ploebst (25.02.2010)
GARTEN DER HEROISCHEN LÜSTE

"I think we have a good time - Chanson de geste" von Linda Samaraweerová und Karl Karner ... Das neueste Stück I think we have a good time - Chanson de geste der Choreografin Linda Samaraweerová und des bildenden Künstlers Karl Karner, das nun im Tanzquartier uraufgeführt worden ist, strotzt vor Schlüsselszenen. Die heute ambivalent gewordene Aura der Heldentat leitete Samaraweerová und Karner zu einem komplexen Vexierspiel aus Tanz-, Theater-, Performance- und Installationselementen an...
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CORPUS / Marlies Pillhofer (2010)
Maske und Galionsfigur

EIN HELDENLIED VON LINDA SAMARAWEEROVÁ UND KARL KARNER IM TANZQUARTIER WIEN ...Die Idee des mittelalterlichen Heldenliedes diente als Grundlage der neuen Arbeit von Linda Samaraweerová und Karl Karner „I think we will have a good time - Chanson de geste“. Zum einen besteht bei den sogenannten Chansons de geste eine Verbindungsebene zwischen dem „Inneren“, der menschlichen Seele, und dem „Äußeren”, der Geste hier im Sinne von bewusster Darstellung innerer Vorgänge. Diese Gesten gelten auch als Link zu religiös oder politisch konnotierten Gegenständen und bilden somit nicht nur die Abbildung eines Menschen als solches, sondern auch seine Verortung in seiner Gesellschaft... (Marlies Pillhofer, Corpus 2010)
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DER STANDARD / Helmut Ploebst (Print-­‐Ausgabe, 17.3.2008)   
SCHMELZENDE KATZE

...Das Aushebeln von Logiken und das Sichtbarmachen verborgener Ansprüche liegt den Künstlerpaaren sichtlich, die Kooperation zwischen Choreografin und bildendem Künstler erweist sich als Erfolgsrezept...    
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KLEINE ZEITUNG/ Waler Titz  (14.01.2009)    
LANDESKUNSTPREIS 2008: KOMPLEXER KUNST-­KOSMOS

..."Phantasievoll, kompliziert, fabulierend, absurd" sei das Universum des in Wien und Feldbach Lebenden, sagt Sevcik treffend. Karners Kunst-Kosmos, in dem wesentlich assoziative Mechanismen wirken, spiegle insgesamt "das Widersprüchliche unserer Welt". Karner verknüpft lustvollspielerisch private Mythologien mit Themen allgemein gesellschaftlicher Bedeutung. Und lässt genügend Freiräume, die das Publikum als Mitspieler nutzen kann....
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KORSO / Wenzel Mracek (Februar 2008)
ABSURDE MASCHINE UND RETROSPEKTIVE - Eckart Schuster in der Neuen Galerie
...Kurator Günther Holler-Schuster verweist auf den rituellen Aspekt in den Arbeiten Karners und bezeichnet die Ausstellung ohne Titel als "surrealen Heimatfilm mit dekonstruktivistischen Ansätzen"...
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SALZBURGER NACHRICHTEN/ Martin Behr (6.02.2008)
FASTEN-IDYLLE IN GRAZ
...Mit einem spektakulären und Aufsehen erregenden Projekt zur Fastenzeit wartet einmal mehr die Grazer Andräkirche auf. Auf Einladung von Pfarrer Hermann Glettler hat der 35jährige steirische Künstler Karl Karner eine riesige, auf den ersten Blick scheinbar aus Schokolade gefertigte Eichhörnchenskulptur mitten in das Gotteshaus gestellt...
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KORSO / Wenzel Mracek (März 2008)
EICHHÖRNCHEN UND SCHNABELWESEN

Karl Karner & Linda Samaraweerová zelebrieren den „öffentlichen Körper“ ...Mit Installationen seiner absurd anmutenden, hybriden Objekte zwischen Mensch und Tier stellt der Künstler Karl Karner jedenfalls auch Bezugssysteme innerhalb einer privaten Morphologie her, die Rezipienten wiederum zu individuellen Interpretationen führen mögen...
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KRONEN ZEITUNG / Martin Gasser (6.02.2008)
MONSTRÖS AUGEBLÄHTE NIEDLICHKEIT

...die Definition des Objektes als Künstlergrabstein sowie sein (aus Epoxyharz bestehender) "Schokoüberzug" können auch als Kommentare zur Verdrängung des Todes und zur Konsumkultur gelesen werden: Die Brüchigkeit oberflächlicher Glücksversprechungen wird durch die groteske Aufblähung ihrer Fassaden und Verkleidungen sichtbar...
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CORPUS / Judith Helmer (10.03.2007)    
KARNER / SAMARAWEEROVÁ:    
"KÖRPERLICHKEIT UND VIRTUOSITÄT"    
imagetanz 2007 in dietheater Künstlerhaus, Wien
 
 ...Es sind kleine, feine Beobachtungen, die auf das große Ganze zielen, ohne belehrend daherzukommen. Beeindruckend ist das Feingefühl, mit der die junge „P.A.R.T.S.“- Absolventin ihre performativen Mittel zu verwenden versteht. Videos auf der Leinwand oder dem TV-­Bildschirm werden live und aufgezeichnet mit einer schlichten Virtuosität eingesetzt, die auch das Ineinanderweben der kurzen Szenen und Bilder und die Wahl der Musik auszeichnet...
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DER STANDARD / Helmut Ploebst (19.09.2006)    
DIE REISE EINER GUMMIENTE    
  -­ Zwei Choreografien von Linda Samaraweerová im WUK

...Das Außergewöhnliche des spannenden Abends ist der Nachweis, dass die Absolventin der berühmten belgischen Schule P.A.R.T.S. sich gleichzeitig und gleichermaßen sicher sowohl der choreografischen Performance als auch der rein tänzerischenBewegungskomposition bedient. Diese Verbindung von archetypischen Gegensätzen in der zeitgenössischen   Choreografie macht Samaraweerová zu einer Schlüsselfigur des jüngsten österreichischen Gegenwartstanzes...